80 Personen waren angemeldet, rund 100 kamen: So gross war das Interesse für die diesjährige Exkursion des Quartiervereins, den Quartierumgang. Das Ziel: Das Gauss-Stierli-Areal, Seebachs Rohdiamant. 

Das Areal befindet sich gleich hinter der Migros am Seebacherplatz zwischen den Gleisen. Die hohen, heute denkmalgeschützten Backsteinhallen, die darauf stehen, sind ein Zeitfenster in die industrielle Vergangenheit von ganz Zürich Nord. Dereinst wurde hier so manches hergestellt: von Tonnendeckeln bis zu Munition, von Liftkabinen bis zu den «Seebacher Autos». 

Eine Chance fürs Quartier

Doch heute birgt das Gauss-Stierli-Areal vor allem ein grosses Potenzial für die Stadtentwicklung, liegt doch hier mit 12 450 m² mehr als eine Hektare brach. Von den graffitisprayenden «Dosen-Dealern» bis zur Garage für rund 500 Boote: kleinteilige und teils illegale Zwischennutzungen gab es schon viele. 2018 schwebte auch ein grosser Wurf in der Luft, mit dem Seebach freilich fremdelte: Damals wurde die Errichtung eines «Kunstbunkers» auf dem Areal geprüft. Die Idee verlief sich im Sande.

Werner Hofmann geht voran

Inzwischen hat das Areal mit Werner Hofmann einen neuen Besitzer, der für eine quartierfreundliche Entwicklung aufgeschlossen ist. Am Quartierumgang führte Herr Hofmann die rund 100 Teilnehmenden persönlich durch das Areal und erzählte dabei von seiner biografischen Verbindung dazu ebenso wie von seinen Ideen für die Zukunft.

Seine Vision: Auf dem Areal soll ein Nutzungsmix mit rund 60 % Wohnen und 40 % Gewerbe entstehen. Dafür prüft er aktuell eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit einer Genossenschaft, die Erfahrung mit schwierigen Arealen hat und politisch bestens vernetzt ist. Das wird es brauchen, denn der Nutzungsmix würde eine Umzonung erfordern. Klappt es, könnten hier im Baurecht zwischen 150 und 250 Wohnungen entstehen. Auch eine interessierte Förderschule könnte Platz finden. 

Gewerbliche Nutzung gesetzt

Andernfalls blieben nicht nur das Land, sondern auch die Gebäude bei Hofmann. Er könnte sich in diesem Fall auch gut eine komplett gewerbliche Nutzung vorstellen. Von kleinen und mittelständischen Betrieben hat er bereits zahlreiche Anfragen erhalten.

Bis die politischen Fragen geklärt sind, wird es nun wohl einige Jahre dauern. In der Zwischenzeit soll das Areal aber nicht weiter brachliegen. Hofmanns Team hat bereits 300 Tonnen Abfall entsorgt – vom Sofa bis zu Asbestplatten. Als Nächstes werden die Fassaden der denkmalgeschützten Halle 1 gereinigt, die aktuell von unzähligen Graffiti teils geziert, teils verunstaltet werden. Auch eine Aufwertung des Vorplatzes ist geplant. Der grosse Mammutbaum soll nach Möglichkeit stehen bleiben.

Nach der Führung: Apéro

Während der weiteren Instandsetzungsarbeiten ist ausserdem eine Zwischennutzung einiger Teile des Areals vorgesehen. Gemanagt wird diese von der Agentur aroma, deren Gründer Lukas «Luki» Meier vielen als der Zürcher Böögg-Bauer bekannt ist. Die ersten Gespräche laufen aktuell. Sie dürfen gespannt sein!

Impressionen vom Areal